Thursday, October 29, 2009

Alles alter Käse

Liebe Blogleser

Da wir mehr Probleme als anderes mit diesem Blog hatten, wird dieser Blog NICHT mehr aktualisiert.
Aber keine Angst, es wird weiterhin über unsere Reise geschrieben und zwar hier:


www.vagabondage.ch/blog


Wir freuen uns auf Deinen Besuch auf der neuen Seite

Bis Bald!


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Saturday, October 17, 2009

Wenn ein T-Shirt zum Gesprächsstoff wird.

Da sitzen wir nun. Am Busbahnhof von Tanger im Norden Marokkos, schauen dem wilden Treiben zu und glauben selber noch nicht ganz hier zu sein.

Der Flug nach Paris verging wortwörtlich wie im Flug und kaum haben wir die vielen Menüs, die uns ständig vorgesetzt wurden aufgegessen, taucht auch schon die französische Hauptstadt auf. Dort verbringen wir einen kurzen Zwischenstopp mit einer Freundin. Sie wurde von meiner Mutter mit Esswaren und Allerlei vollgeladen, auch meine wieder reparierte Kamera ist dabei.

Paris ist – auch nach Perth – ein bisschen ein Kulturschock. Die neuste Mode rennt in den Strassen herum und stolziert um die Wette, während ich mir gerade am überlegen bin, was ich von meinen sowieso schon wenigen Kleidern allenfalls entbehren könnte, um leichter zu reisen.

Bald darauf geht es rasant im TGV nach Montpellier, wo wir nach zweieinhalb Jahren, wieder einmal JC’s Vater sehen. Dieses Wiedersehen kann man sich ja vorstellen. Zehn Tage sind wir bei Dominique und Colette, in einem typischen, südfranzösischen Dörfchen ausserhalb Montpelliers, einquartiert. Wir geniessen es sehr und werden nach jeglicher Kunst bekocht. Nach so langer Zeit in Herzhaftes Baguette zu beissen und köstlichen Käse zu kosten ist eine Wohltat. Wären wir länger geblieben, man hätte uns aufs Schiff rollen müssen.

Ende September heisst es in Sète wieder voneinander Abschied nehmen, von wo aus das grosse Schiff ablegt.

AblegenKontrolle

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Posted by vagabondage in 15:03:31 | Permalink | No Comments »

Saturday, October 3, 2009

Ende in Sicht…

Oft braucht es nicht viel, um einem verständlich zu machen, dass nun wirklich Zeit für eine Veränderung ist. Bei uns genügt ein – der nun wievielte? – platter Reifen. Seit sieben Monaten sind wir auf diesem spannenden Kontinenten unterwegs, die Wüstendurchquerung ist das letztes geplante Vorhaben gewesen. Nun geht es «zurück» nach Perth, aber bis dahin sind es noch ein paar hundert Kilometer.

 

Ein letztes Frühstück

 

In Leonora können wir es nicht lassen, über die unbefestigte Strasse nach Sandstone zu fahren.

 

 

Magpies: schöner MorgengesangLondon Bridge bei Sandstone

 

 

Dass es die letzte sein wird, ahnen wir zwar, aber dass sich noch so ein vorlautes Stück Holz in den Gummi rammt ist kaum zu glauben. Aber doch. Selber schuld – auch der Highway hätte nach Sandstone geführt.

Gelassen brauen wir uns eine Tasse Kaffee, während die Restluft aus dem Pneu pfeift. Das muss nun definitiv als Zeichen gedeutet werden. Genug ist genug. Insgesamt gab es  acht Reifenpannen, wovon zwei gleich einen neuen Pneu erforderten!

Da fahren wir tausende von Kilometern auf wirklich schlechten Pisten, aber immer wenn es schöne, flache Gravelroads sind, holt man siech die Probleme. Wie auch immer, die Teerstrasse wird ab jetzt nicht mehr verlassen ;-).

 

 

Tankstelle

 

Auch das Wetter ist der Meinung, dass die Zeit für Neues gekommen ist. Der sonst stahlblaue Himmel wird von Wolken und Regenschauer abgelöst, sogar in die geplante Pizza regnet es rein!

Die Regenfälle um diese Zeit sind normal und haben auch ihre Vorteile: die Wildblumen

 

.Eine grosse Blume...Sturts Pie

 

Auf dem Weg zur Küste nach Geraldton wachsen die buntesten und unterschiedlichsten Blumen aus der Erde empor. Zu hunderten spriessen sie, einfach so am Strassenrand und rollen sich als Blumenteppiche vor uns aus. Ein grandioses Spektakel. Unablässig halten wir an, denn die Farbenpracht verändert sich ständig.

 

 

BlumeAlle FarbtöneFrühlingGemaltPelzigWildblumen...... wohin man...... schaut.BlumenteppichSie wachsen überallEverlastingsTausendfüsslerWindig

 

In Geraldton geht es um eine weniger schöne Sache: unser liebes Auto muss auf Hochglanz gebracht werden. Ja, ja, ihr lest richtig, uns ist es ernst. Eine bittere Angelegenheit, sich von seinem treuen Begleiter und Kumpel zu lösen.

 

 

Schönes Plätzchen

 

 

Wir gönnen ihm ein intensives «Wellness» und schrubben aussen stundenlang Schmutz weg. Muskelkater lässt grüssen.

 

 

PutztagWellness pur

 

 

Eigentlich haben wir vor, den inneren Teil gemütlich in Perth zu reinigen, aber unsere Anzeige im Internet findet derart viel Anklang, dass regelrecht Hektik aufkommt. Putzen hält wenigstens warm, denn in Perth ist es furchtbar kühl und nass.

Den Innenteil eines Bushcampers gründlich zu reinigen scheint kein Ende nehmen zu wollen. Der rote Staub ist einfach überall. Irgendwie erinnert uns das an den letzten Wohnungsputz…

 

Es vergeht keine Woche und wir haben sympathische Besitzer gefunden: Nick und Teresa mit Baby Pauline. Sie sind sehr spontan die neuen Eigentümer geworden, kommen aber erst in anderthalb Wochen nach Perth. Eine ähnliche Geschichte, wie bei uns damals in Argentinien… ;-)

 

Dies kommt uns gerade recht. Endlich können wir uns dem neuen Reiseziel widmen.

Lange haben wir versucht, uns mit dem Gedanken anzufreunden nach Asien zu reisen. Es liegt quasi auf dem Weg, aber die nötige Begeisterung stellt sich einfach nicht ein. Das hat keinen speziellen Grund, jeder hat wohl Vorlieben für seine Reiseziele. Die meisten von Euch haben uns Richtung Asien reisen sehen, aber wir haben andere Träume zu verwirklichen und die Sache steht nun fest: mit einem dieser grossen A380 fliegen wir von Perth via Singapur nach Paris. Nach einem Besuch in Südfrankreich bei JC’s Papa wartet in Sète ein Schiff auf uns für Marokko. Afrika wir kommen… ;-)

 

 

Die Vorfreude hilft, sich an den Gedanken zu gewöhnen unsere «Wohnung» nun hinter uns lassen zu müssen, aber komisch ist es trotzdem nach so langer Zeit eines beinahe fixen (und so sympathischen) Wohnsitzes. Hach, wir werden ihn vermissen… *wein*

 (An dieser Stelle wünschen wir Euch dreien viel Spass und alles Gute.)

 

Hier noch ein paar Zahlen der letzten Monate:

 

Wir fuhren 34′651 Kilometer in 7,5 Monaten und verbrauchten 4315 Liter Diesel

Der günstigste Diesel kostete 111.3 AUD-Cents pro Liter im Südwesten, der teuerste war im Outback Richtung Gibson Desert für 280.0 AUD-Cents pro Liter, was zum Glück nur einmal vorkam. Ausser den vielen Platten gab es nie Probleme.

 

Die Busfreie Zeit in Australien hat uns gut getan. Wir blicken auf schöne sieben Monate zurück, wo wir ständig an der frischen Luft gelebt und gekocht haben. Unsere Bush-Pizza wird uns auch fehlen.

Nun heisst es wieder Rucksack umschnallen, sich in überfüllt Busse quetschen und in neue Abenteuer stürzen. Aber wir können es kaum erwarten und berichten wieder…

 

 

 

Posted by vagabondage in 14:23:56 | Permalink | Comments (1) »

Monday, September 7, 2009

Wüste, Wüste und nochmals Wüste…

Der Entscheid zurück nach Alice Springs zu fahren ist gefallen. Nicht über den betonierten «Stuart Highway», sondern via Binns Track, den wir erst vor kurzen entdeckt haben. Der Track ist im Prinzip eine Ansammlung verschiedener Strecken, vom Gregory Nationalpark ganz oben im Norden, nach Alice Springs bis zu Mt. Dare in South Australia. 

Im friedvollen Davenport Range Nationalpark wird man mit einer schönen, aber rauen 4×4-Strecke, die wieder zum Binns Track führt, überrascht.

Im Davenport Range Nationalpark

Eine schöne Strecke

Die Gegend ist sehr windig, dafür imponieren uns die Bergformationen und steinigen Strecken durch trockene Flussbetten, die bald von gelbem und rotem Sand abgelöst werden.

Die Strecken zwischendurch auf den breiteren «Gravelroads» sind weniger imposant, aber sobald man wieder auf eine dieser schmalen Strecken abbiegt wird es spannend und abwechslungsreich. Es ist kaum zu übersehen, dass man sich im «Red Centre» befindet. Der Sandboden zeigt sich im tiefsten Rot, rieselt fein und warm durch die Hände. So schlagen wir auf der Strecke an den schönsten Orten das Biwak auf, geniessen die absolute Ruhe in diesen verlassenen Winkeln.

Im «Red Centre»Einsames Biwak am Binns Track

Nach fast 1000 Kilometern nähern wir uns Alice Springs. Je mehr die Stadt in Reichweite gelangt, umso mehr surren uns die Fliegen wieder um die Ohren. Kein Wunder, im Herzen Australiens liegt eine Rinderfarm neben der anderen. (Nicht nur hier im Zentrum, nahezu ganz Australien ist eine grosse Rinderfarm!)

Ab nach Alice Springs

Es wimmelt nur so von Kühen. Aussteigen, Gatter öffnen und wieder verschliessen. Und das alle fünf Minuten. Es sind die Grenzen der verschiedenen Farmen. 

Hinweis auf eines dieser vielen GatterStoppen-Raus-Aufmachen-Zumachen-Rein-WeiterKühe

Nach Alice Springs gelangt man über die schönen East McDonnell Ranges, die lange, imposante Bergkette, die sich quer durch das Herzen Australiens zwängt.

Die schöne LandschaftBei den East McDonnellranges

Da der Binns Track wirklich beeindruckend war, möchten wir ihn noch «fertig» abfahren. Die Vorbereitungen laufen, um die Schlaufe nach Mt. Dare in Südaustralien und wieder zurück nach Alice zu machen. Auf einer roten Düne, unweit von Alice Springs verbringen wir ein paar erholsame Tage. So gut es geht. Eine Horde Jugendlicher übernachtet an demselben Ort, sie feiern. Sie bestehen darauf, dass wir uns ihnen anschliessen, spendieren ein paar Drinks. Kein Problem, was tut man nicht alles für eine gute Nachbarschaft.

Die schöne rote Sanddüne in Alice SpringsEin neuigieriger Kerl

Nach einem Abstecher zum «Rainbow Valley, ein kleiner Berg, der sich wie so manche Steinformation in Australien, in der Abendsonne dunkelrot färbt, geht es zum «Chambers Pillar», ein skurriles Steingebilde, das sich dem blauen Himmel zuwendet.

Das «Rainbow Valley»«Chambers Pillar»

In mehreren Nationalparks im Northern Territory gibt es so genannte «Campfire Talks». Der Zufall will es, dass wir an beiden Orten in den Genuss eines solchen Schwätzchens mit dem Ranger um das Lagerfeuer kommen. So etwas gibt es anscheinend nur in diesem Staat. Während 45 Minuten erzählt der zuständige Nationalparkaufseher etwas über die Geschichte des Ortes oder die Tiere, die hier leben. Es ist sehr aufschlussreich und man bekommt so auch das Gefühl, dass die Ranger wirklich existieren – die Parks leben.

Ab nun wird es ernster. Wir folgen dem alten Ghan Schienenweg in den Süden, dieselbe Strecke, wo auch das «Finke Desert Race» durchgeht. Diese Passage ist ein Gräuel. Landschaftlich zwar schön, aber die Strasse ist stark vom Wellblech gezeichnet. Es rumpelt, klappert, schüttelt und lärmt. Rundherum liegen grosse, verrostete Eisenbahnschrauben im Boden, überhaupt gucken für unseren Geschmack zu viel Metallstücke aus dem Sand. Kaum denken wir ein bisschen zu laut über unsere Autoreifen nach, passiert es wieder: JC wälzt sich auf dem Boden, um einen Reifen zu wechseln. Im inzwischen antrainierten Rekordtempo ;-). Dem Reifen geht es ans Lebendige. Ein Gegenstand hat ein grosses Stück Gummi aus dem Reifen geschnitten, den kann man nun definitiv wegschmeissen. Nicht schon wieder! Zum gleichen Zeitpunkt (JCs Reparatur wird noch festgehalten, das gab ihr wohl den Rest…) gibt auch noch meine Kamera den Geist auf. Was ist denn nur heute los!

Wieder eine ReifenpanneDa fehlt ein gutes Stück

 

Sanddünenstruktur

Wir nähern uns dem Simpson Desert. Die Strecken werden sandig und führen nun auch zwischen Sanddünen hindurch. Meistens denkt man an die Sahara, wenn das Wort Wüste fällt. Man stellt sich weite, leere Flächen, eine kahle Düne nach der anderen vor. Die australischen Wüsten sind da anders. Da wie das meiste in Down Under uralt ist, hatte auch die Pflanzenwelt genug Zeit, sich an seine Umgebung anzupassen. Die meisten Dünen sind bewachsen. Vom Spinifex bis zu sehr hohen Büschen gibt es alles. Oft merkt man nicht einmal, dass man gerade an einer Düne hoch- oder vorbeigefahren ist. Man hält sie nahezu für einen kleinen Hügel.

Vor Mt. Dare schauen wir noch im geografischen Zentrum Australiens vorbei. Ein kleines Monument kennzeichnet den Ort. Es ist lustig in der Mitte von Australien zu übernachten ;-).

Im «Lambert's Centre of Australia»

Mt. Dare ist ein Ort mit nur vier Einwohnern, jedoch einem Roadhouse und Campingplatz. Der Ort ist gut platziert, ist es die letzte Möglichkeit Benzin und Vorräte aufzustocken, bevor man den Simpson Desert durchquert. Dieser Wüstenteil interessiert uns nicht sonderlich. So weit soll es nicht gehen und zu stark frequentiert ist er auch für unseren Geschmack. Wir wollen die Wüste erleben, aber um Abgeschiedenheit zu erfahren.

Auf sandigem Untergrund gehts weiterHaaaallloooooo!WAS essen die Kühe hier?

Uns zieht es in den Gibson Desert, diesen grossen Fleck «Nichts» in Westaustralien. Ein langer Weg. Für die «Gary Junction Road», welche wir benutzen wollen, braucht es eine Bewilligung, da es sich um Aboriginal Land handelt. Die Bewilligung für den Teil im Northern Territory bekommt man auf der Stelle, für das Stück in Westaustralien dauert es eine Woche. Die meisten Australier winken nur ab, wenn man mit ihnen über diese Bewilligungen spricht, sie holen sich meist gar keine ein. Wahrscheinlich fühlen sie sich ein bisschen eigenartig im eigenen Land Transitbewilligungen zu beantragen…

Unendliche Weiten und ein schöner Schlafplatz

An einem Montag geht es los. Über 2000 Kilometer haben wir auf dem Reiseweg vor uns. Wasser, Nahrung, Benzin – alles muss gut durch kalkuliert werden. Vollgepackt mit Esswaren und vor allem Wasser führt es uns durch die West McDonnell Ranges zur «Gary Junction Road». Eilig haben wir es nicht. Gemächlich gleiten wir über die ebenmässige, sandig-weiche Unterlage immer tiefer in die Wüste hinein. 

Auf der Gary Junction RoadEine gute Strecke mit weicher Unterlage

Wüste ist nicht immer eine sehr trockene Region mit wenig oder keiner Vegetation. Es gibt derart viele verschiedene Wüstentypen, dass es den Rahmen hier sprengen würde. Nur schon Australien selber hat nicht weniger als 17 verschiedene Wüsten, meist sehr unterschiedliche Typen, welche eine Vielfalt an Pflanzen und Tiere beherbergen, die sich perfekt an ihre Umgebung angepasst haben. Australien ist der zweit dürrste Kontinent der Erde (die Antarktis ist der kargste Kontinent und zählt auch dazu). Ein drittel in diesem Land sind Wüste, der zweite Drittel gilt als karg, den letzen Drittel zählt man als «Klimamix».

Nun aber zurück zur Route. Die Strecke fasziniert uns. Es kreucht und fleucht überall. Wir sichten wieder zwei Kamelherden und sehen viele Eidechsen. Ein schönes Exemplar ist der «Centralian Blue-Tongue». Ohne einen Laut von sich zu geben, bläht er seinen Körper auf, um grösser zu erscheinen und streckt uns seine blaue Zunge entgegen. Ein niedlicher Kerl. Vor allem sehr fotogen, denn er rührt sich nicht vom Fleck.

Der «Centralian Blue-Tongue»

In Kintore, einer Aboriginal Kommune, kann man Diesel tanken. Das Dörfchen scheint recht gross zu sein, in der Mitte des Kreisels sitzen ein paar Junge, man winkt sich zu. Wo bekommt man hier Benzin? An einem kleinen Betonhäuschen, nicht grösser als eine Zapfsäule steht in farbiger Schrift «Petrol», Kinderzeichnungen verzieren die Mauern. Das scheint der Ort zu sein. Es gibt sogar Öffnungszeiten. Jede Stunde einmal ;-). Bald taucht ein Mann mit dem grossen Schlüsselbund für das noch grössere Vorhängeschloss auf. Interessanterweise ein Weisser. Es ist nicht das erste Mal, dass uns auffällt, dass in Aboriginal Gemeinden die Weissen das Benzingeld einkassieren. Dafür hat der Mann einen richtig guten Preis für seinen Diesel. «Nur» 1.60 $ pro Liter, ein richtiges Outback-Schnäppchen. Ist man hier doch über 500 Kilometer von Alice entfernt. Da bezahlten wir auf der «Gibb River Road« schon einmal zwei Dollar…

Abzweigung nach Kintore

Diesel ist oft die beste und einzige Variante, um abgelegene Orte oder die Wüste zu durchqueren. Bleifrei ist in vielen Aboriginal Gemeinden verboten – die Einheimischen  könnten ihn «sniffen». Daher gibt es oft nur den «schnüffelfreien» von der bp hergestellten «Opal-Fuel»…

«Opal Fuel»

Oft ist einem gar nicht richtig bewusst, dass man wirklich in der Wüste ist. Die Vegetation ist oft sehr dicht, meist kleine Sträucher und niedere Bäume, viel Spinifex und sogar Blumen. Die gelben und violetten Flecken duften herrlich und geben der Landschaft die nötigen Tupfer.


Die farbigen Tupfer...... sind eine schöne Abwechslung

Wir sehen auch wieder unser Lieblingsreptil: den Thorny Devil. Der winzige Kerl (ca. 10 cm) sieht zwar angsteinflössend aus, ist aber äusserst freundlich. Ruhig steht er auf dem roten Sand und wartet bis die «Angreifer» wieder gehen. Seine Stacheln sind nur Tarnung, wenn er einem keck von der Seite angrinst und mit seinen winzigen Augen beobachtet, kann man über den kleinen Kerl nur lächeln. Er hat sich wunderbar an die Wüste angepasst. Trinken muss er nicht, es genügt wenn Morgentau auf seinem Körper liegt. Oder er stellt einfach seine Füsse in ein bisschen Wasser und saugt die Flüssigkeit in seinen Körper auf. Wie ein Strohhalm. Sonst lebt er von Ameisen. An die 5000 Stück am Tag.

Der kecke «Thorny Devil»

Immer wieder kommt man an einer Len Beadell Markierung vorbei. Kein Wunder, denn Len hat mit seiner Crew im Auftrag einer Ölfirma in den 60er-Jahren die meisten Strassen der westaustralischen Wüste «gebaut». Eine stattliche Leistung, wenn man die Abgeschiedenheit dieser Region bedenkt. So hat er an vielen Abzweigungen Plaquetten angebracht, die man heute noch bestaunen kann. Für die Reisenden, eine nette Abwechslung.

Eine der vielen Plaquetten von Len BeadellVorbei an bewachsenen Dünen

WA/NT Grenze

Nach der Grenze vom Northern Territory/Westaustralien kommen wir nochmals an einer Aboriginal Gemeinde vorbei. Da danach gut 1000 Kilometer ohne jegliche Tankmöglichkeit und sonstigen Service bevorstehen, tun wir gut aufzufüllen. Das Örtchen ist wirklich ausgestorben. Weit und breit keine Menschenseele, nicht einmal ein streunender Hund. Ein Einheimischer mit grossem Hut taucht auf. Er rufe den «Petrol Man» an verkündet er hilfsbereit. Tatsächlich lässt sich jemand Blicken. Eine Affenhitze herrscht um 13 Uhr, die gewünschte Person kommt im Auto angerollt. Bestimmt wieder ein Weisser, wetten?

Die dicke, mürrische Gestalt, die sich aus dem Fahrersitz hievt ist tatsächlich von unserer Hautfarbe. Wir hätten ihn beim Lunch gestört, knurrt er. Da ist er sicher glücklich, dass er seinen Hintern nur für ein paar mickrige Liter hertragen muss. Zum Glück für uns, denn der Diesel kostet sage und schreibe 2.80 $! Ein Rekord!

Hier suchen wir noch den Lastwagen von Len Beadell, der ihm, bei der Fertigstellung der «Gary Junction Road» ausgebrannt ist. Die Essens- und Wasservorräte gingen einfach in Flammen auf. Da es nichts mehr zu machen gab, schoss Len ein paar Löcher in den in Flammen stehenden Wassertank, tauchte ein paar Teeblätter ins heisse Wasser und braute sich mit dem letzen Wasser noch eine Tasse Tee. Also wenn das kein Held ist… ;-)

Pflanzenwuchs

Nun wird die Strecke sehr abwechslungsreich. Die Strasse flimmert in der Mittagshitze, der Horizont gleicht einem Quecksilbersee. Auf dem sandigen, roten Untergrund wo mehrheitlich Spinifex wächst führt es uns zu Gebieten mit mannshohem Gras und flachen  Sträuchern. Auf einmal stehen wir sogar in einem Wald! Die so genannten «Desert Oaks» sind ein Zeichen für Untergrundwasser. Die grossen Bäume mit langen, hängenden Nadeln stehen imposant in der Landschaft. 

Handpumpe für frisches, klares WasserFriedliches Plätzchen beim «Pioneer Well»

Beim «Jupiter Well», einem Ort mit einer von Hand angetriebenen Pumpe, finden wir im Schatten dieser grossen Bäume, deren Nadeln langsam im Wind wackeln ein entzückendes Nachtlager. Da die Wasserpumpe frisches, klares Wasser von sich gibt, steht sogar einer Dusche nichts mehr im Wege. Ein traumhafter Platz. Es ist eine richtige Oase. Die vielen Vögel, die sich einfinden sind die einzigen Lebewesen, die hier leben. Sogar die Fliegen sind weg!

Bushshower ;-)Damit ihr nicht vergesst wie wir aussehen ;-)

Seit wir den Weg in die Wüste aufgenommen haben und uns von den stumpfsinnigen Rinderfarmen entfernt haben, surren wirklich nur noch gelegentlich ein paar dieser Insekten herum. Eine richtige Wohltat.

Die Abzweigung zum Gary Highway

Der Rest der «Gary Junction Road» steht an, bevor endlich eine Abzweigung kommt. Links ab auf den «Gary Highway». Highway hört sich nach einer wunderbaren Strasse an, dem ist aber nicht so. Der Track wird nun viel schmaler, Toyotabreit, wie es die Aussies nennen. Links und rechts viel Gestrüpp oder Spinifex, leider auch in der Mitte der Fahrbahn. Eine regelmässige Kontrolle unter dem Chassis, um hängengebliebene Halme zu entfernen sollte man nicht vergessen – brannten schon Autos aus, wegen dem leicht entflammbaren Gras! Aber auf unserem Weg sind die Büschel zum Glück nicht allzu hoch. Schlaglöcher, Steine und unterspülte Abschnitte fordern aber nun mehr Konzentration.

Wo gehts lang?Das nenn ich Highway...

Ab und zu kommt man bei «Wegweisern» vorbei, meist alte Benzinfässer, angenehme Anhaltspunkte, da man das Gefühl bekommt, dass es hier und da noch irgendwo hin führt. Denn auch Zeichen menschlichen Lebens gibt es nun nicht mehr. 

Strassentafel

Ansonsten lotst uns der «Gary Highway» schnurgerade nach Süden. Wir begegnen wieder Kamelen, grossen, roten Känguruhs, einem «Australian Bustard» und vielen Eidechsen, die aber oft rasch unter einem Spinifex Unterschlupf suchen. 

Ein «Australian Bustard»KameleKamelspuren im SandDa steht jemand im Weg

Auf so einem Track ist das «Abenteuergefühl» zwar irgendwie grösser, weil man häufig nur den alten Spuren folgt. Würde man zu weit abseits der Fahrspur kommen, könnte es gut sein, dass man die Strasse nicht mehr findet. Trotzdem gefiel uns die «Gary Junction» besser. Auf der angenehm, sandigen Strecke konnte man all den Blumen, Landschaften und allerlei Tieren Aufmerksamkeit schenken. 

Ziemlich klar wo's lang geht.Landschaft

Der «Gary Highway» ist nur bisschen über 300 Kilometer lang und endet am «Gunbarrel Highway». Zum Glück müssen wir nur 30 Kilometer der Strecke fahren. Gilt der «Gunbarrel Highway» als die schlimmste Wellblechpiste Australiens. Das stimmt tatsächlich, keinen Kilometer hätten wir mehr fahren wollen, auf dieser furchtbaren Strasse.

Das Visitorbook beim Gunbarrel HighwayFarbige AbwechslungIm Gibson Desert

Die Strasse führt zur «Hunt Oil Road», obwohl die Abzweigung kaum zu sehen ist! Einen Blick auf das GPS sagt, dass wir richtig sind. Die Strecke führt geradeaus dem Horizont  entgegen, dieses Land scheint ohne Ende zu sein, ein leicht entmutigendes Gefühl.

Abzweigung zur Hunt Oil Road. Sicher?

Immer weiter sieht man wie sich die Spur durch die Landschaft zieht, der uns weiter in den Süden auf die «Great Central Road» bringt. Dieser Track zeigt sich nun auch als der Härteste. Quasi: das Beste heben wir uns für den Schluss auf ;-). 

Der Weg ist schmal, wie ein gigantischer Rasenmäher verschlingen wir das extra hohe  Spinifexgras zwischen unseren Rädern und pflügen uns immer tiefer in das Land hinein. Alle 30 Kilometer wird gestoppt, um dicke Grasbüschel unter dem Auto hervor zu klauben. 

Mühsames GrasDas letzte Stück nehmen wir noch...

Langsam aber sicher haben wir genug Staub geschluckt. Freude herrscht, als wir die extrabreite, weiche, rote Unterlage der «Great Central Road» erblicken. Eben wie ein Billardtisch, ihr könnt euch die Freude nicht vorstellen.

Die unbefestigte Strasse, die sich nach den Strapazen wie eine Autobahn fährt spuckt uns in Laverton aus. Richtige Zivilisation nach einer Woche Wüstendurchquerung. Das erfreut sogar uns nach dieser langen Zeit. Wir sahen in ein paar Stunden auf dieser Strasse mehr Autos, als in der letzten Woche zusammen. Nun stehen ein paar Tage Erholung an. 

Bis bald wieder!

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Saturday, August 15, 2009

Fünf Wochen im Überblick… (Alice Springs)

Über eine Woche ist es nun her, seit uns die Familie wieder verlassen hat. Wir sitzen in Alice Springs und gewöhnen uns langsam wieder ans Alleine sein. Dass ich nicht gleich nach ihrer Abfahrt voll in die Tasten hauen konnte, war mir bewusst, aber auch nach einer Woche ist es schwierig: es passierte sehr viel in den vergangenen fünf Wochen.

Aber hier mal von vorne:

Auf dem Parkplatz vom Flughafen Darwin, verbringen wir eine laute Nacht. Da die ganze Sippschaft früher als der erste Hahnenschrei im tropischen Norden Australiens ankommt, scheint der Parkplatz die einfachste Lösung zu sein, die sich gerade anbietet.

Das Hallo in der Empfangshalle ist gross, das Wiedersehen wunderbar.

Es geht hektisch zu und her, es wird viel geplaudert – wir bekommen einen Vorgeschmack wie die nächsten fünf Wochen aussehen werden. ;-)

Seit Monaten beinahe einsiedlerisch lebend, Ruhe und (fast) keinen Menschenkontakt gewöhnt, sind ab jetzt zu sechst unterwegs sein. Meine Mutter Erika mit ihrem Freund André, mein Bruder Christof, seine Freundin Sara und wir zwei. Aber unsere Freude ist gross auf die gemeinsame, bevorstehende Zeit.

In der kleinen Stadt Darwin hält es uns nicht lange.

Wasserdurchquerung im Litchfield NP

Nachdem der reservierter Allrad-Toyota abgeholt ist, peilen wir schon den Litchfield Nationalpark an und düsen aus der Stadt.

Litchfield NP: Lost City

 

Die Familie hat das gleiche Automodell, einfach nicht als Buschcamper ausgebaut. Ein Fünfplätzer mit Dachzelt und einem separatem Zelt für die jüngeren zwei, als Nachtlager.

Anfänglich dauert alles sehr, sehr lange. Für alles braucht man irgendwie sechsmal länger. Geht man einen kleinen Wanderweg brauchen alle erstmal gutes Schuhwerk, dann merkt man, dass der Hut noch im Auto liegt, jemand hat vergessen sich einzucremen, «wo ist nun wieder mein Fotoapparat!» ruft es, «hast du das Auto geschlossen?» wird gefragt, «wer hat meine Trinkflasche gesehen»… Aber nach ein paar Tagen geht das aus- und einräumen immer schneller, es kommt eine gewisse Routine in das Geschehen.

Termiten in der Landschaft

 

Ziemlich im Süden des Litchfield Nationalparks gibt es einen lauschigen Campingplatz im Busch mit dem schönen Namen «Surprise Creek».

 

Geburi!

 

An angenehmen Überraschungen fehlt es nicht: Mit einem Kuchen aus dem Campofen feiern wir hier den Geburtstag meiner Mutter und die idyllische Wasserstelle, auf die man nach einem kurzen Spaziergang durch den Wald stösst, bietet sich geradezu an ein paar Runden im kühlen Nass zu drehen, oder sich natürlich wagemutig von den Felsen hinein zu stürzen.

 

Und hopp... ;-)

Surprise Creek

 

Auf dem Weg zurück braucht ein fremdes Auto Hilfe: sie haben in einem Fluss die falsche Abbiegung genommen und stecken tief im Wasser fest und langsam läuft ihnen das Auto voll. Aber da das gemietete Auto eine Winde hat, können wir diesem Problem natürlich nachhelfen und das Auto aus dem Fluss ziehen.

Kakadu Nationalpark

 

Das akklimatisieren geht schnell. Dem für seine Aboriginalmalereien bekannten Kakadu Nationalpark (der grösste Park Australiens) wird auch noch einen Besuch abgestattet. Leider herrscht gerade Winterferienstimmung unter den Australiern, der Andrang überall ist recht gross.

 

Aboriginal ZeichnungenLightning ManViel Wasser im Kakadu ParkEin SalzwasserkrokodilSeerose

 

Noch im Park selber, geht es auf eine dieser fiesen, gelben «Gravelroads» ab.

Die tiefen Fahrspuren, welche regelrechte Kieselberge hinterlassen und die sonst herumliegenden Steine bilden eine heimtückische, glitschige Oberfläche. So harmlos die Strassen oft aussehen, die Folgen können fatal sein.

Wie gewohnt fahren wir voraus. In regelmässigen Abständen wird aufeinander gewartet. Doch der «Troopy» mit den vier Insassen taucht einfach nicht auf. Abwarten. Wir harren schon doppelt so lange aus als sonst. Eine Panne? Hoffentlich…

Einen grossen Teil wieder zurückfahrend taucht plötzlich meine Mutter mit den Händen winkend auf. Kreidebleich. Ein Auto liegt am Strassenrand – auf der Seitentüre. Helfen sie bei einem Autounfall? Oder… fährt es uns durch den Kopf. Schrecklich… Es handelt sich um IHR Auto – uns wird schlecht. Rasch zählen wir durch. Alle vier da, kein Blut ist zu sehen.

 

Der Rollover!

Das Unvorstellbare ist geschehen. Nach einem anderthalbfachen «Rollover», wie es die Aussies nennen, den sie hinter sich haben, liegt das Auto am Strassenrand. Totalschaden.

Ausser einer gequetschten Rippe und einer blauen Beule am Kopf ist glücklicherweise niemandem etwas Geschehen. So wie das Auto aussieht, erwarteten wir viel, viel Blut… Ein Ranger kommt zur Hilfe, holt alle Sachen ab und unser nächstes Quartier wird erstmal das nächste Roadhouse sein. Der Campingplatz wird für die nächsten drei Tage der Unterschlupf und das private Telefon, der sehr zuvorkommenden Besitzer ist heiss begehrt. Wie geht es nun weiter? Es ist Ferienzeit, weit und breit ist kein Ersatzauto mehr zu haben. Hören nach nur einer Woche die Reiseträume auf?

Nach viel Organisation steht fest: sie erhalten ein neues Auto, aber nicht mehr das Gleiche Modell. Nun ist enger sitzen angesagt, denn ein zweiter Bushcamper kommt her. Heisst nun auch für uns, näheres aneinander rücken, denn in diesen Autos darf man nur zu dritt fahren. Aber immerhin…

Für uns Nicht-Vorplaner beginnt eine neue Ära. Die grosse Australienkarte wird ausgerollt, kalkulieren und planen ist angesagt. Gelingt es uns dennoch, die geplante Strecke einzuhalten? Oder müssen wir eventuell den Uluru (Ayers Rock) auslassen? Doch unserem Ziel steht nichts im Wege. Mit viel gutem Willen und Elan, beginnt das Familienabenteuer wieder am ersten Juli. Ein gutes Datum, denn ab nun werden uns keine Steine mehr in den Weg gelegt, alles läuft wie geschmiert.

Das nächste grosse Ziel: die Gibb River Road. Gut 700 Kilometer unbefestigte Strasse, quer durch die zentrale Kimberley-Region.

 

Der Beginn der Gibb River Road

 

Ursprünglich wurde die Strasse als Strecke für den Viehtransport gebaut, um die lebendigen Rumpsteaks von den umliegenden Rinderfarmen zu den Häfen von Derby und Wyndham zu transportieren.

Die Region lebt nicht nur von überdimensional grossen Rinderfarmen, sondern auch vom Tourismus auf der «Gibb». Oft erzählt man uns, die «Gibb» sei gewissermassen noch eines der letzten Abenteuer Australiens… also erwarten wir… na was eigentlich?

 

Palmenwald

 

Tiefe Wasserdurchquerungen, Wildnis und halt Abenteuer pur.

Aber die eigentlich recht langweilige «Gravelroad» hält uns nicht in ihrem Bann. Bis zur Abzweigung zum «Mitchel Plateau» gibt es Anfangs zwar schöne Bergformationen, aber danach bleibt die Landschaft oft gleich. Angebrannte Baumstämme, die wie Zündhölzer aus der Erde gucken. Und die Flüsse sind leider auch nicht mehr so voll, wie wir sie gerne hätten. Die Regenzeit ist schon länger vorbei, alle Flussbetten sind fast ausgetrocknet.

 

Jede Pfütze zählt ;-)

Bis zum «Mitchel Plateau» und dem gleichnamigen Wasserfall sind es fast 250 Kilometer. Ein Weg. Die ganze Strasse ist ein riesiges Riffelblech. Nach der Abzweigung zum Wasserfall wird sie noch schlimmer. «Very bad road», meint der bärtige Australier, auf unsere Frage, wie die Strecken denn so sei. Er hat nicht unrecht. Da hilft jede Technik nichts, man wird einfach durchgeschüttelt, im Auto herrscht ein Höllenlärm.

Auf dem Camping des Nationalparks empfängt uns ein unangenehmes Rattern. Dabei haben wir doch den «Quiet Camping» ausgesucht? Also Generatoren-Frei. Des Rätsels Lösung ist ein eleganter Helikopterlandeplatz mitten im Nationalpark. Ja wo gibt es denn sowas!

 

Auf dem Weg zum Mitchel Fall

 

Eigentlich ist hier ein Ruhetag eingeplant, aber niemand will an diesem Ort wirklich bleiben. Trotzdem wird zum relativ nahe gelegenen «Mitchel Fall» gewandert, entzücken uns ab seinem Anblick und dem kühlen Bad. Aber immer wieder kreisen Helikopter über unseren Köpfen. Tja. Was soll man dazu noch sagen?

 

Mitchel Fall

 

Trotzdem finden wir immer wieder behagliche Schlafplätze, entfachen gemütliche Feuer und empfinden den Schluss (von unserer Seite her Richtung Derby) der «Gibb» als die spannendere Seite mit seinen Schluchten und Landschaften.

 

Baobab in der LandschaftEin SüsswasserkrokodilWindjana Gorge NPSüsswasserkrokodilEin Roadhouse auf der Gibb River Road

In Broome wird die ersehnte Verschnaufpause eingelegt. Ein paar Tage am indischen Ozean, die erstaunlichen Unterschiede der Gezeiten bestaunen, sich in die Wellen werfen, die roten Sanddünen unter den nackten Füssen spüren, Pizza backen, den Flammen des Lagerfeuers zugucken und das Erlebte setzen lassen, denn es liegen noch viele Kilometer vor uns.

Ziel ist von Halls Creek über den Duncan- und Buntine Highway (trotz des Namens, unbefestigte Strassen), durch Lajamanu (eine Ortschaft) und über die Tanami Road (auch eine Piste) nach Alice Springs zu gelangen. Quer durchs Outback. Hier hoffen wir auf ein paar einsame Ecken zu stossen.

 

Geradeaus

 

Zuerst aber noch eine Stippvisite zum bekannten Purnululu Nationalpark, besser bekannt als Bungle Bungle. Hier gibt es Steindome im Zebralook zu sehen. Die runde Form ist Arbeit von über hundert von Millionen Jahren, welche die Sandsteinbergkette durch Erosion, Zeit und Flüsse bekam.

 

Die Bungle Bungles

 

Der Pyjamalook ist schwieriger zu erklären. Grob gesehen klammern sich Bakterien an die lehmigeren Schichten des Berges, somit erhält er das gestreifte Aussehen.

Es wird viel herumgewandert und über Mutter Naturs Künste gestaunt. Nun aber ab in den Staub.

Manu auf einem gefährlichen Platz...Cathedral Gorge im Bungle Bungle NPIm Echidna Chasm, Bungle Bungle NP

Auf dem Buntine HWY ins Northern Territory

 

Der Abstecher ins Outback erfüllt unsere Erwartungen. Auf abgelegenen Strecken fahren wir über gute Pisten, campen an charmanten, menschenleeren Orten, fahren spät weiter und treffen früh am Neuen Ort ein – einen Rhythmus, den alle schätzen.

 

MittagspauseAlle zusammen

 

Wir geniessen die (fast) warme Campingdusche (schwarzer Plastikbeutel, der sich in der Sonne erwärmt, mit einem Duschschlauch) mit dem besten Badezimmerfenster der Welt – die freie Natur ;-)

 

Major Mitchell's Kakadu

Das Brot im Campofen

 

Ein Brot wird gebacken und am abendlichen Feuer wird wieder einmal über Gott und die Welt geplaudert um danach müde aufs Nachtlager zu fallen. (Wir hinterlassen sowieso eine Spur der vielleicht schönsten Feuerstellen Australiens…) ;-)

 

Eine unserer berühmten Feuerstellen ;-)OutbackAuch im Outback blühtsNetter Schlafplatz auf dem Track Richtung Tanami Road

Zapfsäule am Rabbit Flat RoadhouseNette Wegweiser ;-)

 

Bald taucht Alice Springs auf, von wo wir natürlich den überall in der Welt bekannten Uluru besuchen möchten, besser bekannt als Ayers Rock. Wir kennen den grossen Monolithen schon, aber trotzdem verliert er nie an Magie. Da es die Aboriginals bevorzugen, den für sie sehr heiligen Stein nicht zu besteigen, umrunden wir ihn. Über zwölf Kilometer Marsch. Ein Koloss von Stein.

 

Uluru

Kata Tjutas

 

Die vielleicht weniger bekannten, aber nicht weniger beeindruckenden Kata Tjutas (The Olgas) beglücken uns mit einem sehr schönen Marsch durch das «Valley of the Winds».

 

Fensterblick

 

Und der Name kommt nicht von ungefähr… Eine sehr schöne Wanderung durch die «vielen Köpfe», wie sie in der Aboriginalsprache heissen.

 

Wanderung durch das Valley of the Winds

Wieder ein schöner Ort zum ÜbernachtenKaffeewasser schon parat?

 

Alles hat leider einmal ein Ende… die Strecke durch die West MacDonnell Ranges, eine sehr schöne Gebirgskette, westlich von Alice Springs bringt uns dann weiter zu den nördlicheren gelegenen Devils Marbles. Auf dem Weg bekommen wir sie dann endlich zu sehen: Kamele! Zentralaustralien ist ziemlich der einzige Ort, wo man noch wild lebende Kamele sehen kann. Damals während der Pionierzeit, hat man sich Kamele geholt, um die Wüsten zu durchqueren, am Schluss hat man sie einfach laufen lassen, darum sind sie hier. Nun sind sie eine Plage, aber uns freut es trotzdem, welche gesehen zu haben ;-).

 

KamelfamilieDer stolze Kamel-Chef

Vor den «Teuflesmurmeln» geniessen wir noch ein sehr schönes Lagerplätzchen im Davenport Range Nationalpark, der ideale Ort für unsere Grillparty. Die Landschaft ist bezaubernd, keine Menschenseele taucht auf.

 

Im Davenport Range NPEin schöner OrtWir sind bereit für die GrillpartyProoooooscht!Wie ist das mit den Köchen? ;-)StangebrotSpinifex PigeonZebrafink

Die letzte gemeinsame Nacht verbringen wir auf dem Camping der Devils Marbles. Diese kuriosen Steinformationen sind zum Teil kugelrund und stehen rätselhaft über eine grosse Fläche verstreut in der Natur.

 

Devils Marbles

 

An nur einer kleinen Stelle «kleben» sie auf einem anderen Gesteinsbrocken, andere sehen wiederum aus wie gebogene Matratzen oder sind wie Sandwiches eingeklemmt. Das fotogene Gelände lädt zu Spaziergängen durch die Steinformationen ein.

 

Stein-EiStein-SandwichDevils MarblesZwei sehr bekannte SteineGroooosser Stein!Sie passen einfach schaurig gut in die Gegend

Egal wie lange das Zusammenpacken am nächsten Tag hinausgezögert wird: der Abschied steht vor der Türe. Wie gewohnt fahren wir gemeinsam zur Abzweigung des Stuart Highways. Die vier jedoch biegen nach rechts ab – ihr Ziel ist Darwin, denn in zwei Tagen fliegen sie wieder nach Hause. Wir biegen nach links ab, auf uns wartet kein Flugzeug, nur eine einsame Tankstelle, mit essenziellen Tropfen für unser Auto, damit es weiter gehen kann…

 

Der Abschied...

Es war grandios mit euch diese abenteuerlichen Wochen zu verbringen! Nun haben wir Probleme wie: wer sucht nun das Feuerholz, der Abwasch muss auch selber gemacht werden, Kaffee (und Wein) sollten alleine getrunken werden, von Jazzy keine Rede… wir vermissen Euch wirklich sehr – danke für alles!

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Thursday, August 6, 2009

Geht noch ein Weilchen…

So ihr lieben. Der naechste Blogeintragt dauert noch ein bisschen. Hier im Blog tut sich taeglich was Neues - die ziehen um, bauen um… ich weiss nicht wo meine Links hinverschwunden sind, die Karten und sonst alles so muehsam aufgebaute.

Wenn jemand eine gute alternative weiss zu einem Blog, oder wie man so einen selber macht… nur her mit den Infos. :-)

Bis bald wieder!

Posted by vagabondage in 07:24:10 | Permalink | No Comments »

Wednesday, August 5, 2009

Umzug

Hallo zusammen. Wir sind noch da. Wir leben noch. Bald gibt es einen neuen Blogeintrag. Ich hoffe es.

Das Blog-Gesicht hat sich waehrend unserer Abwesenheit veraendert, die Platform ist umgezogen. Bis ich wieder begriffen haben, wo was ist, kann auch noch ein Weilchen gehen.

Also nicht verzweifeln - genuegt wenn wirs sind :-)

Liebe Gruesse aus Alice Springs!

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Saturday, June 20, 2009

Tropisches Australien – auf nach Darwin

Die Aussichten nach Broome zu kommen sehen ereignislos aus: hunderte Kilometer geteerte, trostlose Strasse. Es gibt auch keine Ausweichmöglichkeiten mit unserem 4×4. Langes Zögern bringt uns auch nicht weiter, also nehmen wir die Strecke in Angriff.

Nach Karratha und Dampier, mit seinen schönen Sonnenaufgängen und den gut versteckten, aber spannenden Aboriginal-Gravuren, folgt Port Headland.

Sonnenaufgang bei Dampier


Aboriginalzeichnungen...... die man gut suchen...... musste!

Nochmals Sonnenaufgang

Danach entscheiden wir uns spontan nach Marble Bar zu fahren. Des Namens wegen.

Marble Bar gilt als die heisseste Stadt Australiens, allerdings ist es heute bewölkt – in der südlichen Hemisphäre bewegen wir uns Richtung Winter – so wird auch nicht geschwitzt. Das Örtchen ist klein und recht sympathisch. Wir genehmigen uns einen «The Lot» (Hamburger mit allem – Speck, Ei…) im «Hotel». Meist die einzige Einrichtung mit Alkoholausschank in so einem Ort, somit die lokale Bar und Treffpunkt der «locals». Es ist amüsant hier.

Getrunken wird schon Mittags, im Hinterraum spielen Aboriginals mit Weissen friedlich zusammen Billard. Es ist Mittagspause.

Die Dame vom Touristeninfocenter legt uns die «Carawine Gorge» ans Herz. Ein gut 400 Kilometer langer «Umweg», der sich vollumfänglich lohnt. Noch einmal reisen wir durch die schöne Pilbara-Region und sind um einen platten Reifen reicher. Leider bleibt das Wetter ständig bewölkt.

Eine Python

Danach gibt es kein entrinnen mehr: über 600 Kilometer Strecke nach Broome liegen vor uns. Zu sehen gibt es nichts, die Langeweile, die sich langsam einnistet, kann man sich vorstellen.

Broome ist eine florierende Stadt, in der auch der Tourismus gut Einzug hält.

Exotik in Broome

Zeit für einen Service und sonstige kleinere Reparaturen, die gemacht werden müssen. Alles in allem nichts Dramatisches, jedoch zeitaufwendig. Ungewollt werden zwei Wochen daraus.

Viel Vogelbesuch bekamen wir hier

Da es in der Stadt recht unbequem und oft unmöglich ist zu campen, (ausser den Caravanparks, um welche wir aber stets einen grossen Bogen machen) versuchen wir in der Natur unser Glück und überbrücken die Wartezeit an einem schönen Ort auf der Dampier Peninsula mit ausspannen, Brot- und Pizzabacken.

Sonnenuntergang bei Broome

Ein Rainbow Bee-eaterEin Willy Wagtail

Ein kleiner Kerl: der Einsiedlerkrebs

Die Weiterfahrt in den Norden geht dann leider wieder über den Highway. In der Kimberley-Region hat man zwei Möglichkeiten. Die Schnellstrasse oder die «Gibb River Road», eine unbefestigte Strecke durch das Herzen der Region. Ende Juni bekommen wir wieder Besuch von der Familie, demnach heben wir uns die «Gibb» für später auf. Sie werden sich einen 4×4 mieten, somit steht diesem Abenteuer nichts im Wege.

So düsen wir durch gleichbleibende Landschaft über den «Northern Highway». Oft liegen mehrere hundert Kilometer zwischen zwei Orten, welche auch nicht viel grösser als ein Roadhouse sind. Weites, leeres Grasland, die einzige willkommene Abwechslung bieten die Baobabs (Affenbrotbaum), welche majestätisch aus dem goldenen, mannshohen Gras gucken. Der ursprünglich aus Afrika stammende Baum wächst in Australien nur in den «Kimberleys». Man nimmt an, dass Samen oder ganze Bäume übers Meer hier her angeschwemmt worden sind.

Es kommt afrikanische Stimmung auf. Die Gegend erinnert an die Savanne – vielleicht nennt man diese Strecke auch deshalb «The Savannah Way». Diese Landschaft stimmt den iPod Töne von Bob und seinen Freunden durch die Boxen zu pressen, was die Fahrerei etwas auflockert. Statt tote Kängurus, die es nur zu genüge auf hiesigen Strassen gibt, liegen nun zu einem Ballon aufgedunsene Kühe, alle Viere von sich streckend, am Strassenrand.

Eine Nacht auf einer Restarea

Ab Halls Creek kriegen die Reifen wieder Erde zu spüren – wir biegen auf die Duncan Road ab.

Die Duncan Road

Bei der schönen Sawpit Gorge finden wir wieder ein Camp nach unserem Geschmack. Überhaupt ist der ganze Abschnitt hier sehr schön. Goldene Grashalme, die sich im Wind wiegen, grosse, rote Termitenhügel, wie kleine Schlösser, durchbrechen das Bild, Kängurus hoppeln durch das Gelände.

Palms Springs bei der Duncan Road

Termitenügel

Zurück auf dem Highway, sind wir in einem neuen australischen Staat: das «Northern Territory», mit Darwin als Hauptstadt. Gleich an der Grenze liegt der Keep River Nationalpark, wo wir hinfahren und überrascht werden: die Übernachtung kostet hier nur 3.30$ pro Person. In Westaustralien sind es doppelt so viel, für meist weniger Ausstattung. Man darf hier Feuer machen, Holz liegt bereit, Wasser und eine Öko-Toilette sind vorhanden – nicht schlecht… Uns gefällt es hier.

Es gibt für uns nichts Besseres, als mit dem ersten Licht vom Bett aus durch das Fensterchen zu gucken, beobachten wie die Bäume vor Röte zu glühen anfangen, orange werden und kurze Zeit später nur noch golden glänzen im Morgenlicht. Im Park wimmelt es von Vögeln. Es zwitschert, singt und krächzt, ein Piepmatz gibt sogar elektronische Geräusche von sich.

Da es noch ein bisschen dauert, bis die Familie in Darwin ankommt, genehmigen wir uns einen Abstecher in den Gregory Nationalpark. Viele Strecken sind geschlossen, die «Bullita Stock Route» dagegen ist befahrbar. Kaum haben wir den gewünschten Weg eingeschlagen, hört die Spur abrupt vor einem breiten Fluss auf.

Die grosse Flussdurchquerung

Auf einem Schild steht: «Links der blauen Markierung halten». Stirnrunzeln. Die wollen uns durch diesen Fluss bugsieren. Ein zweites Schild weist auf Krokodile im Wasserlauf hin. Aufregend.

Achtung Krokodile!

Die Flusstiefe ist etwa 40 cm, das Wasser transparent, der Boden glitschige, treppenartige Steinplatten. Die einzige Schwierigkeit ist, dass man ein paar Platten, die ungünstig stehen mit einer grösseren Kurve umfahren muss. Es kann losgehen. Langsam und bedacht tasten wir uns vorwärts. Hier eine Markierung und dort der Ausgang, so weit so gut, aber auweia… wir sind zu früh und zu stark eingebogen und stehen nun vor einem unüberwindbarem Hindernis. Kurz fällt uns das Herz in die Hose. Was nun?

Eigentlich sollte man bei einer Flussdurchquerung den Gang nicht wechseln. Müssen wir nun aber und zwar den Rückwärtsgang. War da nicht eben auch noch ein Loch?

Dennoch gelingt das Manöver, wir erreichen alle drei das Ufer und sind raus aus dem Krokodil-Fluss. Gesichtet wurde zwar keines… ;-) Es ist nicht die letzte Flussdurchquerung im Park, die anderen sind jedoch harmloser.

Ein RIESIGES Exemplar von Baum!

Zum nächsten Campground sind es zwar nur 13 km, dies dauert jedoch beinahe eine Stunde.

Eine steinige Strecke

Steinig, holperig und wackelig geht es voran. Fühlt sich so ein Milchshake? Volle Konzentration ist gefragt, man fühlt sich danach, als ob man Sport getrieben hätte. Allerdings ist die Strecke super, wir werden für alles entschädigt.

Baobab im Gregory Nationalpark

Der Minicampground gehört uns alleine, Baobabs und Termitenhügel sind unsere Nachbarn, ein kleiner, klarer Fluss plätschert krokodilfrei vor sich her.

Das klare Flüsschen ladet zum Baden ein.

Das Nachtessen brutzelt

So fühlen wir uns wohl.

Auf dem Feuer brutzelt das Abendessen, die Vögel beobachten uns kritisch, ein junger Dingo kommt vorbei, um die Eindringlinge in sein Territorium unter die Lupe zu nehmen, die Zähne werden unter dem Kreuz des Südens geputzt. Wir haben alles was man braucht.

Frühstück auf unserem Campground

Nach ein paar gemütlichen Tagen im Park, wird wieder der Weg Richtung Darwin eingeschlagen. In Katherine wollen wir in einem «Bottle Shop» Wein kaufen. (Alkohol kann nur in eigens dafür vorgesehenen Geschäften gekauft werden.) Da Glasflaschen für die meist klapprigen Fahrten nicht in Fragen kommen, begnügen wir uns mit den Mehrliter-Kartons. Hört sich vielleicht furchtbar an, ist es jedoch gar nicht. An der Kasse in Katherine fragt man uns nach Ausweisen. Hören wir nicht richtig? Dies ist nicht, weil wir heute ausserordentlich gut und jung aussehen – nein, man darf hier nur einen Zwei-Liter-Karton pro Person und Tag kaufen, alles wird minuziös in einen Computer eingetragen, daher der Ausweis. «Wir haben ein Alkoholproblem in der Stadt» antwortet die Kassiererin auf unsere verdutzten Gesichter.

«Weinflaschen aus Glas können wir aber Literweise raustragen?» kontern wir. Sie zuckt mit den Schultern. Was genau soll diese Verfügung? Statistiken hätten ergeben, dass die oben genannten Karton-Weine die Problemkinder sind.

Nennen wir die Dinge doch einfach beim Namen. Viele Aboriginals in den Städten haben den Alkoholkonsum nicht im Griff und wanken betrunken durch die Strassen. Nun hat ein besonders cleverer Politiker hinter seinem Schreibtisch dieses besonders clevere Gesetz erlassen. Der politischen Korrektheit wegen, kann man dieses Gesetz nicht nur auf Aboriginals beschränken. Scherereien sind schon vorprogrammiert. Und für die rassistischen Probleme im Land ist dies sicherlich auch nicht entgegenkommend.

Ein Roadhouse auf dem Highway

Es hat sich viel verändert im Land seit wir vor sieben Jahren hier gewesen sind. Auch uns ist bewusst, dass nicht alles beim Alten bleibt, alles verändert und entwickelt sich weiter. Trotzdem sind wir verblüfft, beim Besuch der «Douglas Hot Springs». Bei unserem letzten Besuch war hier gerade mal ein kleiner Parkplatz, wo man runter ans Ufer des Flusses klettern konnte, um ein warmes Bad zu nehmen. Das warme Bad kommt daher, dass ein Arm des Flusses kaltes, ein anderer heisses Wasser führt und an der Kreuzung für angenehme Temperaturen sorgt.

Nun ist der Parkplatz vergrössert worden und es gibt einen enormen Campingplatz. Nicht alles Verdaut man gleich gut. Darum sollte man wahrscheinlich schon Gesehenem, nicht nochmals einen Besuch abstatten…

In die Hauptstadt Darwin ist es nun nicht mehr weit. Das Herzen der Kleinstadt ist nicht gross und gut mit Bars und Restaurants gefüllt. Obwohl das Meer vor der Haustüre liegt und in schönem blaugrün glitzert, möchte man sich hier kein Bad gönnen. Von Oktober bis April schwimmen die gefährlichen Quallen im Meer und sonst tummeln sich Krokodile, Haifische und sonstige unfreundliche Tiere im Wasser.

Aber egal, denn morgen ist es endlich soweit: wir können die Familie am Flughafen Darwins abholen. Was sich während dieser Zeit ereignet, erfahrt ihr im nächsten Beitrag… bis bald wieder!


P.S:
Immer wieder kommt die Karten-Frage auf. Nun ist das doch so, dass ich schon seit bald zwei Jahren Karten von unseren Routen bastle! Rechts im blauen Balken unter “Alben” sind alle Karten. Australien zuoberst. Man muss sich halt ein bisschen durchklicken, bis die richtige Grösse kommt. Hier der Link.

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Thursday, May 14, 2009

Australien der Superlative (Karratha)

Ostern macht zwar Spass, wenn man arbeitet – denn freie Tage gibt es nie genug – aber wenn man unterwegs ist, kann es ganz schön kompliziert werden.

Letztes Jahr in Kolumbien: stockkatholisch, dramatische Osterprozessionen, Alkoholverbot und ausgebuchte Busse. 


Ein Besucher


Dieses Jahr strömen die Australier mit Kind und Kegel in die Natur. Man zeigt die blitzblank gescheuerten Wohnwagen, Zeltstädte schiessen wie Pilze überall aus dem Boden, sogar die sonst einsamen Outbackstrassen kann man als gut befahren bezeichnen. Wir hoffen jedesmal, dass diese Tage schnell vorbei gehen… ;-).



Unsere Fliegenfreie Zone


Mehrere Tage vergehen beim «Niagara Dam» nähe Menzies, wo wir dann aber fliehen, als es wirklich voll wird. Rasch nach Leonora, um Essens- und Benzinvorräte aufzufüllen. 

Ein Ort, der vor Jahren sicher floriert hat, wo nun aber nur noch ein Einkaufsladen in der Hauptstrasse zu finden ist und eine Tankstelle, der Rest der Läden stehen mit Brettern zugenagelt da und vereinsamen. Es wohnen noch Menschen hier, aber wie lange noch? 

Es gibt immer mehr solche Outbackstädtchen, die irgendwie einen trostlosen Eindruck hinterlassen. 

Ein paar Aborigines sitzen zusammen an der Strassenecke, beobachten die hereinfahrenden Fahrzeuge, einige von ihnen laufen die Strasse hin und her. Sie sehen verwirrt und ein bisschen verzweifelt aus. Irgendwie gleichen sie mehr wandelnden Menschenhüllen, als lebenden Zeitgenossen. Es zieht uns das Herz zusammen. 


Menschen haben schon viele Grässlichkeiten auf der Welt vollbracht. Massaker, Kolonisierung, Sklaverei, Genozide… aber die Engländer haben hier gut Hand angelegt und die australischen Ureinwohner beinahe ausgerottet. Epidemien und Alkohol taten dann noch den Rest, nach kurzer Zeit der Einwanderung waren schon 90% der Aborigines tot. Die restlichen Überlebenden wurden quasi von der Steinzeit in die Moderne katapultiert. Die Kolonisierung Australiens ist erst 220 Jahre alt! An ihrer Stelle würde ich auch entmutigt aussehen.


Auch wenn sich die weissen Australier heute Mühe geben (wenn auch ein bisschen verkrampft, wie es uns manchmal erscheint), um uns Touristen ein «harmonisches» Bild zu vermitteln, indem schwarze und weisse Menschen sich zusammen amüsieren und uns glücklich von Hochglanzprospekten entgegen lächeln, sieht und fühlt man, dass das zusammenleben der beiden Kulturen eher – sagen wir – schwierig ist.

Übrigens erst 1998 (zwei Jahre später wird Australien die olympischen Spiele organisieren…) entschuldigte sich die australische Bevölkerung für das an den Aborigines begangene Unrecht während der Besiedlung durch die Weißen. Ob eine Entschuldigung überhaupt genügt…


Eine traurige Geschichte, wenn man bedenkt, dass diese Volk die älteste, überlebende Kultur der Welt ist! Die ältesten Menschenfunde stammen aus der Zeit vor 62′000 Jahren und Überreste von Werkzeugen, welche 47′000 Jahre alt sind wurden gefunden. Sie haben alle anderen grossen Zivilisationen überlebt: Römer, Ägypter, Mayas…, um nur ein paar zu nennen.

In Europa wird die Erde umgegraben, damit man Überbleibsel aus diesem Zeitalter findet und die Siedler damals stehen vor lebenden Repräsentanten dieser Zeit und was tun sie? 


Lake Ballard: Kunst auf dem See 


Die Weiterfahrt führt zum Lake Ballard, ein Salzsee, wo man mehreren Figuren Hallo sagen kann. Da gerade Vollmond ist, machen wir einen nächtlichen Spaziergang auf der Salzkruste und begutachten diese «Kunst in der Natur» bei Mondschein. Eine spezielle Stimmung herrscht hier mitten im See, der Mond leuchtet so hell, als ob man unter Strassenlaternen spazieren gehen würde.


«Querfeldein» geht es weiter zum Lake Barlee und Mount Elvire. Aber wie gesagt, sonst verlassene Strassen, aber über die Osterzeit herrscht auch hier reger Verkehr.

Wir «merken», dass schon in ein paar Tagen JC’s Geburtstag sein wird, also beeilen wir uns ein bisschen. Anfangs war Lagerfeuer im Outback die Idee zum feiern, aber hier zeigt sich das Outback nicht von der gewünschten Seite. Also warum nicht am Meer.


Zuerst gilt es einen kleinen Besuch den berühmten «Pinnacles», ein paar hundert Kilometer nördlich von Perth, abzustatten. Auch wenn uns Cervantes, das unweit von den «Steinnadeln» liegende Örtchen ein bisschen unsympathisch vorkommt, lohnt sich der Besuch dieser spitzigen, bis zu mehreren Metern hohen Natur-Skulpturen völlig.

Da Australien ein Autoland ist, kann man getrost zwischen den «Pinnacles» hindurch fahren. (Auf einem vorgegebenen Weg zwar, aber trotzdem ;-) )

Wir stehen vor Sonnenaufgang auf, um auch wirklich die ersten Sonnenstrahlen, die auf die Gesteinsstücke fallen, einfangen zu können.


Sonnenaufgang über den Pinnacles

Überall stehen sie verstreut


Wie genau die «Pinnacles» entstanden sind ist unsicher. Es gibt mehrere Theorien. Oder sagen wir lieber: Geologen interessieren sich nicht wirklich für die «Pinnacles», da sie aus geologischer Sicht zu jung sind. «Erst» 1,8 Millionen Jahre alt. Da gibt es wohl interessanteres für sie. Uns gefallen die Steine, die sich dem blauen Himmel entgegen recken und im goldgelben Sand wie Figuren verharren und geduldig die Knippserei über sich ergehen lassen.


PinnaclesEigenartige Steinformationen


Das ist MEIN Pinnacle ;-)


Danach steht Geburtstagsplatz-Suche auf dem Plan. Dieser Teil der Küste bis Geraldton gefällt uns nicht so. Meist sieht man das Meer sowieso nicht, oder ganze Gebiete sind mit «No camping»-Schildern ausgeschmückt. Jede Ecke und alle Plätze werden abgeklappert, aber auch einen Tag vor JC’s Geburi ist das Traumplätzchen noch nicht aufgetaucht, also wird aufs Gaspedal getreten: auf zum Francois Peron Nationalpark. Eine lange Strecke. Sonst ist unser Auto mit gemütlichen und ökonomischen 80 km/h unterwegs, aber nun gibt «Bushy» alles. Er macht keinen Mucks, hat weder zu warm noch sonst ist es ihm unwohl. Auch er weiss, dass das hier eine wichtige Mission ist. ;-)


Spätnachmittags taucht Denham vor uns auf. In den Nationalpark ist es nicht mehr weit. Hinein kommt man nur mit einem 4×4, weil der Boden sehr sandig ist. Wir bedanken uns beim «Schöpfer der Bushcamper», dass kein Büssli unter unserem Hintern weilt und werden für die lange Fahrerei mehr als belohnt.

Kurz vor Sonnenuntergang sitzen wir mit einem Glas Wein in der Hand in unseren Stühlen auf der Terrasse, beobachten, wie der roten Sonnenball hinter dem Horizont verschwindet und grinsen über beide Ohren. SO stellt man sich ein Geburtstagsplatz vor.


Geburtstagsplätzchen im Francois Peron NP 


Hinter uns rote, bewachsene Sanddünen, die sich unten mit gelben, spitzigen Klippen treffen, welche wiederum vor dem transparenten, indischen Ozean steil abfallen. Aber nicht zu schroff, sodass man doch ganz bequem am privaten Sandsträndchen baden gehen kann. Keine überfüllten Plätze, nur ein paar Leute, die auch Ruhe, Natur und Abgeschiedenheit suchen. Es ist perfekt, so lässt es sich älter werden…


Wir bleiben fast eine Woche im Park, so gut gefällt er uns. Es gibt noch andere Campingorte und sonst viel Tiere zu beobachten. 


Ernsthaftes Gespräch


Die meisten Leute kommen wegen Monkey Mia hier her. Wo Ranger den «aus freiem Willen herkommenden» Delfinen Fische verfüttern. Dieser »Zoo» interessiert uns überhaupt nicht, denn die Delfine kommen von selber hier vorbei. Und hier wirklich aus freiem Willen. Täglich schwimmen sie unweit von uns vorüber, spielen «Flipper» und entzücken uns einfach so mit ihrem Anblick. 


Die Entscheidung, diesen wunderbaren Ort zu verlassen, nimmt uns die Sonnencreme ab: sie geht aus. Zum Glück tauchen «seriöse» Probleme auf, sonst würden wir vielleicht heute noch dort sitzen… ;-)


Shell Beach - tausende kleine Muscheln


In diesem Eck des Kontinents gibt es noch etwas Spannendes: Stromatoliten. So genannt «lebende Steine». Der älteste, lebende Organismus der Welt, dank ihnen existieren wir überhaupt, denn sie haben vor Milliarden von Jahren angefangen Massenweise Sauerstoff zu produzieren. Ja, Australien birgt immer und überall Geheimnisse. 


Stromatolites - Lebende Steine


Für uns ist es wieder einmal Zeit, den Fliegen im Landesinneren einen Besuch abzustatten. Die Kennedy Range, eine (für Australien) grosse Bergmasse, die sich scheinbar aus dem Nichts erhebt, birgt ein paar (kurze) Wanderungen, wo man zum Beispiel auf dem Bergrücken einen guten und weiten Überblick hat und einem Australien noch flacher vor kommt, als es sonst schon ist.


Kennedy Range : tolle Aussicht von obenSteinformationHoneycomb


Temple Gorge


Eigentlich wollten wir von hier direkt zum Mount Augustus fahren, aber auch hier entscheidet wieder einmal jemand anderes über unser weiteres Vorgehen.

Es ist immer genug Wasser in unserem Auto, bevor die Vorräte aufgefüllt werden, wird ein Schluck probiert – man weiss ja nie wie es schmeckt. Aber dieses mal… nicht. Es kam nämlich aus einem Wasserhahn mit Lavabo, wohl desswegen.

So haben wir nur 10 Liter trinkbares Wasser, der Rest ist Borwasser, heisst sehr salzhaltig und ungeniessbar… Naja, lieber so etwas passiert hier, als wirklich im tiefen Outback. 


Vor Mount Augustus gibt es einen kleinen Abstecher nach Coral Bay. Meer und ein Reef, unweit vom Strand, so heisst es. Aber schon bei der Einfahrt in das Städtchen wird einem mulmig. Der Ort besteht nur aus einer Strasse, wovon die ganze linke Hälfte tatsächlich zu einem riesigen Caravanpark (Wohnwagenstellplätze) zusammengeschmolzen ist. Wahrscheinlich sind es etwa drei Stück. Es wimmelt nur so von Leuten, der Andrang ist riesig. 

Unser Aufenthalt wird kurz, wir haben auch keine Lust mehr auf den Nationalpark. Wie im Francois Peron wird es sicherlich nicht. Schon lange haben wir uns davon befreit, «alles» tun und sehen zu müssen. 

Ab ins Outback, wo uns die Fliegen gute Nacht wünschen und nicht so ein Andrang herrscht. Für die Atempause sind wir in Australien, für nichts anderes. 


Die Strecke ist sehr abwechslungsreich und schön. Es ist immer wieder bemerkenswert, wie vielseitig das Outback doch ist. Fährt man am Highway entlang, sieht die Landschaft stundenlang gleich aus. Niedere, trockene Büsche zieren die linke und die rechte Strassenseite. Sonst nichts. Fährt man aber ein paar hundert Kilometer ins Innere, verändert sich das Bild oft. So fährt man mal fünf Minuten durch Eukalyptuswald, um im Anschluss daran auf offenes Gelände zu kommen, gespickt mit Spinifex (stachelige Grasart), Büsche werden grösser und Höher, oder werden von einer anderen Baumart abgelöst, ab und zu ruckelt man auch an einem Salzsee vorbei, vielleicht sogar an einer Bergkette. Es ist faszinierend, wie die so genannte Leere unterschiedlich und vielfältig sein kann.


Und auf einmal steht er da, der Mount Augustus. 


Mount Augustus - grösser Stein der Welt


Warum er «Mount» genannt wird ist uns ein Rätsel, denn es ist tatsächlich der grösste Stein der Welt! Ja ihr habt schon richtig gelesen, kein Berg, sondern ein Stein. Einfach in einer überdimensionalen Grösse. 

Eine sonderbare Vorstellung, wenn man auf den Boden schaut und diese Winzlinge betrachtet, die den Boden bedecken. Augustus ist doppelt so gross wie Uluru (Ayers Rock).

Das moosartige Grünzeugs, welches an seinen Wänden hochklettert sind keine Flechten, wie man von Weitem fast denken könnte, nein es sind Bäume, ganze Wälder, die an den Seiten hochkriechen. Ein Monstrum von Stein.


Beim Mount Augustus


Wir finden ein wunderschönes Plätzchen auf einer Anhöhe. Rundherum nicht endend wollende Weite, vor uns Mount Augustus, welcher bei Sonnenuntergang einen tiefroten Mantel bekommt und sonst Nichts und Niemand. Es ist grossartig.


Dieser hat Leopardenhaut!


Im Landesinnern bleibend, wollen wir in das nördlich gelegene Pilbara-Gebiet fahren. Die Pilbara ist eine Halbwüstenzone in Western Australia mit bedeutenden Eisenerzlagern und wohl auch eine der ältesten Region der Erde.


Auf dem Weg nach Tom PriceGrosse Wracks auf der Strassenseite


Die Fahrt ist sehr malerisch, man kann sogar von hügelig sprechen. Als Richtung Tom Price wieder geteerte Strasse unter den Reifen zu spüren ist staunen wir: ein ganz anderes Bild zeigt sich uns. 

Sanfte Höcker zeichnen die Landschaft, die Natur zeigt sich in allen möglichen Gelb- und Grüntönen, dunkelrote Erde hebt sich vom sonnigen, blauen Himmel ab. Wir kneifen die Augen zusammen. Nicht wegen der Sonne, sondern aufgrund des komischen Grases, welches auf den Hügeln spriesst: man hat das Gefühl, man sehe doppelt.

Der untere Teil des Spinifex ist ein runder, spitziger, fester Büschel, in der Mitte wachsen mehrere Halme höher hinaus, wie Getreide. Beides zusammen ergiebt einen Büschel Gras im betrunkenen Zustand. ;-)

Manchmal werden die Hügel von rostroten Felsen durchzogen, die wie grosse Betonplatten aneinandergereiht dastehen. Irgendwie so habe ich mir Westaustralien vorgestellt.


Hier liegt der für sein Schluchtensystem bekannte Karijini Nationalpark. Auch wieder ein Ort wo man tagelang verweilen kann. Man kann durch die tiefen Schluchten wandern, in blaugrünen lagunen baden, die von kühlen Wasserfällen gespiesen werden. 


Fortescue FallsFortescue PoolFederwolkenÜbersicht auf die Dales GorgeEin «Gum»In der Dales GorgeWie wärs mit ein bisschen Privatsphäre?


Die Felswände kommen von silbergrau bis purpur in fast allen Farben vor. Sie sehen aus, also ob jemand mit viel Liebe alte, ausgediente Matratzen schräg oder treppenartig aufeinandergestapelt hätte. Oder aber als überdimensionaler Blätterteig, der in der Teigmaschine in Stau geraten ist und sich nun wellenartig durch das Gelände drückt.


Blätterteig-Steinrollen


Abends schauen Dingos (australische Wildhunde) im Camp vorbei und verabschieden sich in jaulendem Gruppengeheul vom Tag. Die Speicherkarten füllen sich in Windeseile, wir kommen mit sortieren kaum nach.


DingoKermit PoolReagans PoolWasserfall


Spa PoolHamersley GorgeKühles Nass......ladet zum Baden ein


Weiter im Norden fahren wir zum Millstream Nationalpark. Hier wollen wir Fotos sortieren, Blog schreiben und was sonst noch alles so liegen geblieben ist, erledigen. Aber es wird schwierig. Das riesige Empfangskomitee auf dem winzigen Campingplatz besteht aus hunderten von weissen Kakadus. Was für ein Geschrei!


Millstream NationalparkDiesmal ein blaugeflügelter Kookaburra


Es sind sicherlich gut 200 dieser hübschen, weissen Vögel, die stets als Paar gemütlich auf einem Ast sitzen oder herumtollen und krächzen. Was sie sich wohl ständig zu erzählen haben?

Irgendeiner von ihnen gibt ein Kommando: denn plötzlich erhebt sich eine riesige, weisse Wolke von den Bäumen in die Lüfte, macht eine kleine Runde über den Wipfeln, um wieder auf den gleichen Bäumen platz zu nehmen. Ein atemberaubendes Spektakel, welches man nicht müde wird zu bestaunen.


Hunderte weisse Kakadus!


Mit den letzten Sonnenstrahlen versammeln sich noch mehr Vögel, sodass sich die Äste unter ihrem Gewicht biegen. Alle kommen, treffen sich hier und fliegen dann als riesige, schreiende Gruppe davon. Im Anschluss ist es vollkommen still. 

Dasselbe frühmorgens in umgekehrter Richtung. Mit dem ersten Sonnenstrahl treffen sie wieder ein, wecken alle und alles, um sich dann für ein paar Stunden das Weite zu suchen. Danach ist hier wieder ihr fester Platz und das Geplapper kann für den Rest des Tages weiter gehen.


Ich geh dann malChoreo


Bussi


Nach diesen Superlativen Australiens: älteste Kultur der Welt, uralter Organismus, die älteste Region und dem grössten Stein der Erde, verbringen wir hier ein paar entspannende Tage. Die Ranger freuts, dass es uns so gut gefällt, sind Langzeitbesucher nicht gewohnt und borgen uns dafür sogar ihr Kanu.


Bald geht es weiter. Auf dem Tacho zeigt es schon 10′000 km mehr an… Bis bald wieder aus nördlicheren Gefilden.



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Monday, April 6, 2009

Der Sommer geht dem Ende entgegen… (Rowles Lagoon, nähe Kalgoorlie)

Küste

Unsere Reise im Südwesten geht noch ein bisschen weiter. Die Strecke von Walpole nach Albany führt wieder durch Karri-Wald, wovon drei ausgesuchte Bäume früher als Feuerturm gedient haben, um nach Waldbränden Ausschau zu halten.

Gute Camouflage 

Heute übernehmen das Flugzeuge. Dafür sind die Bäume für kletterfreudige Touristen freigegeben und man kann auf Eisenstangen, die sich wie eine Wendeltreppe um den Baumstamm schlängeln bis zu 75 Meter hoch in die Baumkrone klettern. So muss sich wohl ein Affe fühlen. Es ist herrlich, die Aussicht ist grandios, man ist «mittendrinn».

Sich wie ein Affe fühlen...Panoramablick von der Baumkrone ausMorgendlicher Besucher

Bei Walpole ist das «Valley of the Giants» wo wieder endemische Eukalyptusgiganten stehen. Diese «Tingle Trees» haben äusserst fragile und feine Wurzeln. Viel dünner und kürzer als ein normaler Baum. Daher sind die meisten Baumstämme unten hohl und gespreizt, damit der Gigant trotzdem genug Halt hat. 

Ein riesiger Tingle Tree

Wenn man zu sehr auf dem Boden herumtrampeln würde, sterben die Bäume. Hier ist aber alles gut durchdacht, also spaziert man auf Holzstegen durchs Gehölz, um die Riesen betrachten.

Impostante Baumstämme 

Auf dem «Tree Top Walk» kann man in luftigen 40 Meter Höhe über einen Brücken-Rundgang durch die Baumkronen bummeln und alles von oben anschauen.

Der Tree Top Walk

In der Nähe von Denmark, in einer schönen Bucht mit klarem Wasser, gibt es interessante Steinformationen, «Elephant Rocks» genannt. Das Wasser ladet zum Baden ein, aber es ist zu kühl. Die grosse Hitze ist langsam vorbei. Aber diese hübschen Steinformationen zu bestaunen ist auch so sehr erfreulich und sie zeigen sich sehr fotogen.

Elephant Rocks von obenZwar kein Elefant, aber auch ganz nettElephant Rocks morgens

Albany ist ein grösserer Ort, gut um die Vorräte aufzustocken. Aber dann nichts wie weg hier. Seit ein paar Tagen wird es immer kühler, morgens ist es nun sogar ein bisschen neblig. Hier ist Spätsommer, irgendwie riecht es nach Herbst. Wir machen einen Abstecher ins Landesinnere, aber auch dort ist es nicht besser.

AbwartenIn einer ReiheBandicoot

Im Prinzip wollen wir nach Esperance, da es dort noch schöne Nationalparks und einsame Sandstrände geben soll.

Aber eigentlich sind wir nun lange genug an der Küste herumgefahren. Wir wollen ins Outback. Die Wettervorhersage für Esperance und Region nimmt uns die Entscheidung sowieso gleich ab: Regenschauer für die ganze Woche. 

Regen und Strand passend nicht wirklich gut zusammen.

Wir haben den Holland-Track im Auge. Zu Zeiten des «Goldrushs» (um 1850) sind in der Region Kalgoorlie jede Menge Leute eingetroffen, um Gold zu suchen. 

John Holland und ein paar Männer wollten einen schnelleren und direkteren Weg von Albany in die Gold-Region erstellen und haben so mit Kamelen in gut zwei Monaten diesen Weg durch das harsche Land geschlagen.

Unweit hinter ihnen folgten gleich zukünftige Goldsucher auf Pferden, Kamelen, Fahrrädern oder einfach zu Fuss, Schubkarren vor sich her schiebend. Alle mit dem gleichen Ziel: reich werden. 

Holland Track - Hier gehts lang

Von Albany fahren wir querfeldein nach Newdegate, um dort auf den Holland-Track, der unweit von hier beginnt, zu gelangen. Querfeldein gefällt uns. Es wird auch tatsächlich wieder wärmer und trockener. Wir sind mitten in der Natur.

Ab ins Outback

Man braucht keinen Bus um hierher zu kommen, denn Chauffeur ist man selber, die Hotelsuche bleibt einem auch erspart, weil dieses einem wie ein treues Hündchen hinterherläuft. Entdeckt man ein von Bäumen freistehendes Plätzchen halten wir an und machen «Bushcamping».

Tisch und Stühle raus, ein kleiner Apero, die letzen Sonnenstrahlen tauchen die stolzen Eukalyptusbäume um uns herum in goldenes Licht. 

Nun ist auch Zeit für die grau-rosa Kakadus, die in kreischenden Gruppen auftauchen und die leerstehenden Äste füllen. Angenehmer «Krach», der sich mit anderem Vogelgezwitscher mischt.

Rosa Kakadu

Da braucht man keinen Fernseher. Man hört «Rundfunk Einsamkeit» wedelt mehr oder weniger lässig, die lästigen Fliegen vom Gesicht und geniesst einfach.

Der Himmel scheint zu brennen, das Lichtspiel geht von Gelb, Orange bis ins Violette.

Australischer Sonnenuntergang

«Was gibt es heute zum Abendessen» fragen wir uns gegenseitig. Etwas Einfaches. Ein Omelett beschliesst der Kühlschrank. Und mit der Dunkelheit lauschen auch wir, was unser Kissen zu erzählen hat…

Der Track ist sehr abwechslungsreich und schön. Wir übernachten einmal auf dem fast 300 Kilometer langen Holland-Track. Irgendwann spätnachmittags finden wir es sei nun genug für heute und halten an. Es ist immer noch unsagbar warm. Dann haben wir vielleicht zwei ruhige Minuten bis sie kommen. Aus allen Himmelsrichtungen. Mit all ihren Freunden, Kollegen, Tanten und Kindern: Fliegen.

Sie kriechen in alle möglichen Körperöffnungen. Hocken in die Augenwinkel, machen einen Rundgang im Nasenloch, surren am Ohr herum, machen es sich auf den Lippen bequem. Eklige, kleine, nervende Insekten.

Sie gehen auch nicht einfach wieder, es werden immer mehr. Was um Himmels willen hat uns gestochen, dass wir ins Outback wollten? ;-)

...abwechslungsreichDie ganze Strecke...... ist sehr...

Es sind so viele, dass wir schreiend ins Auto zurückkehren und wieder abfahren. Wir kennen zwar das Fliegen-Problem im Outback, aber so viele wie es hier sind, ist unglaublich und kaum zu bewältigen. Im Freien kochen und essen – unmöglich!

Wir fahren also noch ein bisschen weiter, sitzen dann bis Sonnenuntergang wartend im Inneren unseres Campers. Danach verkriechen sich die Biester.

Wir brauchen einen Plan. SO werden wir es nicht lange aushalten und es ist auch kein Vergnügen mehr. Hier genügt mit der Hand Fliegen wegwedeln nicht mehr.

Wenn wir schon keinen Chef mehr haben, der bestimmt, ob wir an Ostern arbeiten oder nicht, lassen wir uns doch auch nicht von den kleinen Brummern das Leben bestimmen!

Wir kommen wohlbehalten in Kalgoorlie an. Heute noch bestimmen Gold- und andere Minen das Bild der Stadt. Die Häuser geben einem das Gefühl von «wildem Westen», fehlt nur noch die Bar mit schwingender Flügeltüre.

Kalgoorlie 

Beim Aussichtspunkt des «Super Pit», eine enorme Goldmine, kann man in die 4 km lange, 1,5 km breite und 500 m tiefe Grube gucken und beobachten, wie kolossale Fahrzeuge Schotter aus der klaffenden Wunde abtransportieren. 

Der Super Pit - enorme Goldmine

Gerade zum richtigen Zeitpunkt da, erleben wir wie eine sekundenschnelle Explosion eine weitere Mulde ins Bergwerk sprengt. Hier wird 24 Stunden gearbeitet.

Wie immer bleiben wir nicht lange in der Zivilisation. 

Zurück ins OutbackAuf einsamen Strecken unterwegs

Es zieht uns ins Nichts, weiter ins Outback, denn in Kalgoorlie haben wir eine Lösung für das Fliegenproblem gefunden. Im Campingland Australien gibt es für alles eine Lösung ;-). Ein grosses, aus Moskitonetz bestehendes Zelt ohne Boden, wo wir sogar aufrecht stehen können. Unsere Fliegenfreie-Zone!

Da hat sich jemand ein Spass mit dem armen Kamel erlaubtGranitformationen

Der gut 800 Kilometer lange, mehrtägige Ausflug von Kalgoorlie führt an vielen, verlassenen Minen vorbei. Die Strecke ist nicht ganz so abwechslungsreich wie der Holland-Track, aber wir sehen viele Tiere, unter anderem der schon so lange erwartete «Thorny Devil».

Thorny DevilVerlassenSpinifex KreisTrotz Wüste wächst hier etwas gemüseähnliches

Eines Abends braut sich am Himmel ein gehöriges Gewitter zusammen. Der Himmel ist elektrisch geladen, am ganzen Horizont zucken und zischen die Blitze wie verrückt. Die mondlose, stockfinstere Nacht hellt sich für Sekunden auf. 

Hier regnet es nur gerade ein paar Tropfen, aber anderswo kann es ganze Strassen überfluten. Wer weiss wo in dieser trockenen Gegend ein Blitz in einen Baum einschlägt oder Strassen unpassierbar werden. Irgendwie ist es an diesem gottverlassenen Ort ziemlich unheimlich und ganz so wohl ist uns nicht.

Sandige Strecke

Aber es kommt alles gut. Keine umgefallenen Bäume, nur ein paar Wasserlachen auf der Strecke.

Die Rückfahrt wird nassEin blauzungiger Shingleback

Abgesehen davon können wir unsere Abende wieder draussen verbringen, denn unsere Fliegenfreie-Zone zeigt sich als eine grossartige Investition.

Nun sind wir an der Rowles Lagoon, nicht weit von Kalgoorlie entfernt. Hier bleiben wir ein paar Tage, wir brauchen wieder einmal eine Auszeit. Unser Ziel ist nun kurz vor Ostern in dieser Gegend zu bleiben, um anschliessend zurück an die Küste, nördlich von Perth zu fahren. Abwechslungsweise ein bisschen Outback und Meer.

Bis dahin wünschen wir Euch frohe Ostern und bis bald wieder!

Posted by vagabondage in 03:59:27 | Permalink | Comments (1) »